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32 Gesellschaft SOZIALES
WERBUNG
fairwurzelt: Arbeit und Anerkennung geben!
Vor über 20 Jahren wurde auf Wunsch des AMS das
Frauenbeschäftigungsprojekt „fairwurzelt” gestartet.
Seit dieser Zeit präsentiert sich die Initiative als nach-
haltiges und gesellschaftspolitisches Musterbeispiel
für soziale, gemeinschaftliche Verantwortung. Hun-
derten Frauen wurde dadurch über Krisenzeiten hin-
weg der Weg zurück zum Arbeitsmarkt ermöglicht.
Frau erkrankt und verliert ihren Arbeits- Wunsch des Arbeits-
platz, eine Problemkette startet, an deren marktservice entstan-
Ende nicht selten auch der Verlust der den, ist das oberste
Wohnung und der sozialen Kontakte Ziel, beschäftigungs-
steht. Oder der Arbeitsplatz geht verlo- lose Frauen wieder in
ren, psychische Erkrankungen folgen, den ersten Arbeits- Wertschätzend und anerkennend werden die Teilnehmerinnen
familiäre Beziehungen gehen in Brüche, markt zu integrieren. des Projekts „fairwurzelt” behandelt, dafür stehen Projektleiterin
ein Teufelskreis beginnt, an dessen Ende Ein mitunter sehr Barbara Seyrl (li) und Psychologin Bernadette Hausknost (re).
es nur schwer ein Zurück in den Arbeits- schweres Unterfan-
markt gibt. gen, „aber wir haben eine gute Nachhal- feriert. Einerseits um den Arbeitsplatz zu
Ein Drittel aller Arbeitslosen, darunter tigkeit”, so Dr Bernadette Hausknost, die erhalten, andererseits um weiter bei der
in
auch sehr viele Frauen, in Österreich sozialpädagiogische Leiterin des in Afing Jobsuche zu unterstützen.
sind wegen gesundheitlicher Probleme beheimateten gemeinnützigen Vereines
nur mehr schwer vermittelbar. mit Schwerpunkt Gartenarbeit und ei- Rückhalt und Motivation für
Und da setzt das Frauenbeschäfti- nem zusätzlichen Büro in St. Pölten. psychisch instabile Frauen
gungsprojekt „fairwurzelt” an. 1996 auf In vier Stufen, vom Erfassen der Aus- „Wir geben Rückhalt in der neuen Situ-
gangssituation, ation, motivieren und unterstützen die
über betreute Be- Frauen beim Setzen nächster beruflicher
schäftigung und Schritte”, gibt Hausknost Auskunft über
einem Arbeits- eine Art ganzheitlicher Hilfe. Denn nicht
training, bis hin nur die Fokussierung auf den ersten Ar-
zum Transitar- beitsmarkt steht im Vordergrund, auch
beitsplatz, werden soziale und therapeutische Hilfsmaßnah-
Frauen in schwie- men auf dem Weg dahin.
rigen Lebens- Oft hat man es mit psychischen Erkran-
situationen bei der kungen, Depressionen und Angst-Stö-
Rückkehr in den rungen bei den Teilnehmerinnen zu tun.
Arbeitsmarkt un- „Da geht es auch um Stabilisierung, um
terstützt. soziale Kontakte, aber auch darum, die
„Am Beginn steht Frauen wieder ins Gesundheitssystem
ein Aufnahme- zu bringen, etwa zu Zahnsanierungen
gespräch mit be- zu motivieren, gemeinsam mit ihnen
darfsorientierter Hemmschwellen abzubauen. Wir unter-
Beratung”, erzählt stützen sie dabei, wieder auf sich selbst
Projektleiterin mehr zu schauen”, so Hausknost, die mit
Barbara Seyrl, die ihrem Team einen Anstieg von psychisch
auch für das Out- instabilen Frauen beobachtet. „Unser Ziel
placement und ist dabei, dass die Teilnehmerinnen wie-
Firmenkontak- der ihre Autonomie erlangen”, bekräftigt
te zuständig ist, Seyrl.
„dann können Um dies zu bewerkstelligen, gibt es wäh-
wir im Rahmen rend der Projektzeit wöchentlich persön-
des Stufenmodells liche Befindlichkeitsrunden, wo im Team
auch 18 befristete mit einer Psychologin diskutiert und
Dienstverhältnisse kommuniziert wird. Auch die Arbeits-
anbieten.” anleiterinnen haben neben ihrer Gärt-
Zudem wird in der nerinnenausbildung auch einschlägige
fünften Stufe eine Ausbildungen zur pädagogisch fundier-
Nachbetreuung of- ten Arbeitsanleitung.

